Das Kunstprojekt Rheingarten hat sich die Aufgabe gestellt, das Rheintal mit einem System von Gärten zu vernetzen. Diese in die Landschaft gesetzten Bilder sind durch Blickachsen verbunden und vernetzen so das Tal.
Ein europäischer Landschaftgarten entsteht - die Kunst schafft eine neue Sicht der Landschaft.
Das Pilotprojekt "Langscheider Hundert" konnte im Oktober 1996 gepflanzt werden. Vier weitere Projekte sind bis heute entstanden.
"Rheingarten" verbindet zwischen Kunst, Natur und Politik.
Zuerst in einem Seitental des Rheines. Von dort aus Schritt für Schritt weiter. Jetzt im Haupttal in Oberwesel, dann auch entlang der Rhône und der Donau - Europa entlang der Flüsse verbindend.
Warum Kunst?
Die Initiatoren des Projektes Barbara Fuchs und Victor Sanovec handeln im Sinne der künstlerischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts ohne einen Auftraggeber. In einer Gegend wo wirtschaftliche Interessen, historische Bindungen, Mythologie und eine einzigartige Landschaft einen gordischen Knoten binden, kann die Lösung nicht ein befreiender Schwertschlag eines neuen Alexander des Großen sein, sondern behutsame, nachhaltige Entwicklung, die Faszination des Sehens und die Macht der Bilder.
Mit Blicken verbinden:
schauen von einem Punkt aus auf die andere, die gegenüberliegende Seite des Flusses zum Beispiel. Oder auf eine ehemalige Brache, die jetzt eine mit 36.000 wilden Tulpen bestandene Fläche geworden ist. Da wo früher ein sich selbst überlassener Weinberg war, steht eine bewusst gestaltete Lavendelfläche. Ein in die Erde gepflanztes Zeichen für neue Möglichkeiten und eine Arbeit gegen Lethargie und Resignation.
Eine andere realisierte Fläche ist ein auf den Stock gesetztes Stück Wald, die die Anschauung der ersten Fläche enface ermöglicht. Die Besichtigung der beiden Flächen ist als Wanderung möglich vom Parkplatz Pfalzblick aus.
Die Aufgabe des Projektes Verbindungen zu schaffen wird aber auch zwischen den Generationen realisiert. So bei der Arbeit mit den Architekturstudenten der Universität Stuttgart im Sommer 1998. Dabei bestand die Aufgabe in einer Neugestaltung der Fläche "Gegenüber der Loreley". Gefragt waren Gefühle und Ideen der heutigen Generation. Es sollten schöpferische Lösungen aufgezeichnet werden, für die bei den ausländischen Besuchern begehrtesten Stelle am Rhein. Die erarbeiteten Lösungen wurden unter dem Titel R H E I N GARTEN- Impulse im Oktober 1998 im Mittelrhein-Museum in Koblenz gezeigt.
Im Wintersemester 98/99 haben die Studenten der Klasse für Corporate Design der Fachhochschule Mainz unter der Leitung von Prof. Olaf Leu daran gearbeitet, das Anliegen von R H E I N GARTEN in ihre eigene Ausdrucksform zu übersetzen: in dieser Landschaft etwas Neues zu schaffen, nachhaltig, mit Respekt vor der Natur, aber auch vor der Arbeit der Generationen vor uns. Es ging darum mit der Hilfe der studentischen Arbeiten die Idee von R H E I N GARTEN an die Besucher des Rheintales, an die Interessenten, an einem solchen Projekt- wo immer sie auch sind und an die Sponsoren und Geldgeber heran zu tragen. Auch hier heißt es zu vernetzen. Eine namhafte Jury hat im Januar 1999 im ZDF aus den 20 studentischen Arbeiten vier besonders heraus gehoben.
Nachdem das Rheintal schon früh zur Verkehrsachse ausgebaut wurde, waren die ökologischen Themen in den vergangenen 20 Jahren für die Entwicklung der Gegend prägend. Das Aussehen der Landschaft wurde dabei nicht berücksichtigt. Heute müssen wir uns mit den gestalterischen und ästhetischen Fragen in der Landschaft beschäftigen, wenn das Tal nicht auf Verkehrsachse oder Refugium für seltene Pflanzen reduziert werden soll. So kann hier der Begriff "Kunst im öffentlichen Raum" neu definiert werden, wobei es nicht um die Möblierung des Tales mit Beliebigem gehen kann.
Dass sich Künstler mit der Stille des Ateliers nicht mehr zufrieden geben, dafür gibt es schon zahlreiche Beispiele. Sich dem Anspruch zu stellen mit der Politik und der Wirtschaft zusammen die Gegenwart zu gestalten das müsste aus der Sicht von R H E I N GARTEN für alle Beteiligten von Vorteil sein. Das zu denken ist schön - reicht aber nicht aus!
Das bedeutet dem Neuen, nicht Gewöhnlichen eine echte Chance zu geben. Ohne Akzeptanz ohne Befürworter ist es nicht zu machen. Ein Beispiel zu nehmen und Beispiel zu geben ist die Aufgabe der Kunst. Neue Impulse auf zu nehmen, sie zu unterstützen soll die Aufgabe der Politik und der Wirtschaft sein. Von hier aus mit dem Blick auf morgen.